Denkverbote darf es nicht geben, sagt Philipp Rösler. Und recht hat er. Im Gegenteil: Es gibt ein Denkgebot und eine vorgegebene Reihenfolge: erst denken, dann reden. Das gilt auch und gerade für Spitzenpolitiker. Sicherlich, Rösler geht es nicht um den Euro, sondern um seine Partei, die noch viel notleidender ist als die Gemeinschaftswährung. Kein Wunder auch, dass er sich intensiv mit Insolvenz beschäftigt.
Aber: Wenn der Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland öffentlich über eine Insolvenz von Griechenland spricht, sollte er uns, seinen Bürgern, auch sagen, was das heißt. Insolvenz löst bekanntlich die Probleme des Schuldners, nicht die des Gläubigers. Wenn Griechenland die Hälfte seiner Schulden, die Ende 2010 bei 340 Mrd. Euro lagen, nicht zurück zahlt: Wie viel verlieren dann deutsche Banken, Versicherungen, Fonds? Wie viel verliert die Europäische Zentralbank und wie viele Milliarden entfallen davon auf Deutschland? Das ist die erste Antwort, die ich von einem denkenden Minister gerne hätte. Und die zweite: Wie geht es dann weiter mit Griechenland, das zwar die halben Schulden los wäre, wohl aber kaum einen neuen Kreditgeber finden würde? Gibt die EU dann dem Land eine Anschubfinanzierung? Was bedeutet das für Deutschland? Oder möchte Rösler für Griechenland die Kosovo-Lösung und damit seinem alten Arbeitgeber Bundeswehr ein neues Betätigungsfeld schaffen? Und was kostet uns das dann?
